Respekt, Frau Doktor!

Das war fast schon beeindruckend, wie in Berlin kürzlich das Ende einer politischen Karriere verkündet wurde. Frau Dr. Schavan – man kann sie zweifelsfrei noch so nennen, sie hat ja immerhin noch diverse Ehrendoktortitel – legt freiwillig ihr Amt nieder. Und verglichen mit dem Bild von Schavan und Merkel in diesem Moment wurde Karl-Theodor zu Guttenberg praktisch vom Hof gejagt.

Anders als er hat Anette Schavan den richtigen Zeitpunkt für einen Rücktritt aber auch nicht gänzlich verpasst. Es ist ihr gelungen, zu erreichen, dass es inzwischen völlig egal ist, ob ihr letztendlich noch ein vorsätzliches Plagiat nachgewiesen werden kann oder nicht. Anders als zu Guttenberg, der letztlich auch über seinen ungeschickten Umgang – leugnen und Konsequenzen verweigern, dann das vorrübergehende Verzichten auf den Titel – mit dem Vorwurf des Plagiats gestürzt ist, hat Frau Schavan das Geschick bewiesen, Konsequenzen zu ziehen und damit weiter leugnen zu können.

Welchen Anteil Angela Merkel an dieser Entscheidung hat, ist nur schwer zu vermuten. Für beide ist dieser Schritt jedenfalls das geringste Übel. Für Merkel politisch, zumal eine Bundestagswahl vor der Tür steht, und für Schavan persönlich. Innerhalb der Union kann sie durch diesen Schritt nur gewinnen. Wann immer eine Kritik aufkommt kann sie damit punkten, dass sie in einer persönlich wie politisch äußerst schwierigen Situation das Wohl der Partei über die eigene Karriere gestellt hat. Der Verweis auf den Dreiklang „Erst das Land, dann die Partei und dann die Person“ kam bei ihrem Rücktritt also nicht von ungefähr. Der Hinweis auf das Wohl des Landes – eine Bildungsministerin könne nun einmal nicht gegen eine Hochschule klagen und gleichzeitig im Amt bleiben, auch wenn sie unschuldig ist – war zusätzlich geschickt. Und ganz nebenbei entgeht sie der sicherlich nur schwer erträglichen Berichterstattung über den Ausgang ihrer Klage auf den Titelseiten der Presse, es wird nun wohl nicht mehr als eine Randnotiz. Insofern muss man zu dem Schluss kommen: Respekt, Frau Doktor! Denn sowohl Schavan als auch Merkel haben jeweils für sich richtig gehandelt.

Das zeigt aber auch, welchen Verlust Angela Merkel hinnehmen musste. Mit Anette Schavan verliert sie sicher eine besonders vertraute – so berichten es die Medien – aber auch einsatzbereite und strategisch denkende Kollegin am Kabinettstisch. Das erklärt vielleicht auch das besondere Bild, das die beiden bei der Rücktrittserklärung abgegeben haben. Soviel Emotion und Leidenschaft hat man bei Merkel selten gesehen – jedenfalls nicht bei politischen Inhalten. Fast schon beeindruckend…

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